Die bösen Fotografen

Unterwassermotiv um jeden Preis?

Unterwassermotiv um jeden Preis?

Von allen Hochglanzmagazinen und Onlineportalen, Facebook-Gruppen und Fanpages prangt es wie eine weihnachtliche Botschaft: „Gebt uns all eure schönen Bilder“. In Zeiten von Selfies und Selfishness ist es nur die konsequente Fortführung der Lebenseinstellung: „Lobt mich und preiset mich. Seht her: Meine Bilder Tauchbilder sind die schönsten und atemberaubendsten.“

Und dann geht hin und wieder ein Schrei der Empörung durch die Onlinegemeinde, wie dreist doch diese Unterwasserfotografen sich verhalten. Keine Skrupel, keine Rücksicht auf Tier und Umwelt. Beim Versuch, das gefundene Motiv ins rechte Licht zu rücken und perfekt abzulichten, geht es alles andere als zimperlich zu.

Wo man bei Haien schon von aggressivem Verhalten spricht, gelten Rempler unter Tauchkollegen schon als salonfähig.

„Ey, sorry, keine Absicht, aber ich war so im Fieber“

Dass bei fehlender Rücksichtnahme dann auch die Natur bei all dem Eifer leidet, ist nur allzu logische Konsequenz rücksichtslosen und egoistischen Verhaltens.

Besonders zynisch klingen aber die Vorwürfe, die unlängst durch den Äther strahlten: Diverse Tauchmagazine empörten sich über besagtes Verhalten von Tauchern, die offensichtlich einen Mondfisch bedrängten – für mich wirkte die Situation vergleichsweise harmlos.
Der von Tauchern bedrängte Fisch hätte auch ohne weiteres abtauchen können. Aber nein, „skandalös und tier- und umweltverachtend“, so skandierte die Redakteurin eines einschlägigen Magazins und  wollte die Leserschaft zu einem einträchtigen Statement bewegen.

Ich finde, ja, zu Recht. Denn wo fehlgeleitete Ambitionen irgendwelche Möchtegern-Fotografen zu Ungunsten der Natur ihre Obsession verfolgen dürfen,
da ist durchaus ein Wort der Kritik angebracht.

Scheinheilig nur, dass besagte Glanzmagazine selbst ihre Fotografen in die Welt hinaussenden, um ein Motiv nach Vorstellung abzulichten. Und da Zeit bekanntlich Geld ist, muss das perfekt inszenierte Foto in Windeseile umgesetzt werden. Im Zweifel muss dann das Motiv auch mal „per Handeinsatz“ richtig platziert werden. Derartige „gestellte“ Bilder sind in der Branche alles andere als eine Seltenheit – leider.

Genauso zweifelhaft dürte die Anfeuerung der Ambitionen übermotivierter Fotografen sein, indem man auflagenfördernde Preisauschreiben lanciert.
Insofern wirkt die Empörung mehr doppelzüngig als Ernst gemeint.

Es bleibt der Appell an alle Taucher und Fotografen: Leave nothing but bubbles, verlasst die Natur, wie ihr sie vorgefunden habt.

Bekanntes Credo aus der Tauchausbildung: Leave nothing but bubbles

Unbeschädigt und unberührt. Wer als Fotograf sauber tariert, sich Zeit und Rücksicht auf die Natur nimmt, der wird auch ein ehrgeiziges Fotoprojekt umsetzen können.

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