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Das Daedalus-Riff

Der markante Leuchtturm am Daedalus Riff

Der Tag beginnt früh, wie so oft auf der Tauchsafari, die uns Teilnehmer heute ans berüchtigte Daedalus Riff führen soll. Nach einem schnellen Kaffee und ein paar lustlos runtergeschluckten Keksen finden sich die Taucher nach Anlegen der Tauchausrüstung und anschließendem Buddycheck kurzfristig auf den zwei motorisierten Schlauchbooten ein.

Die Müdigkeit steht allen noch ins Gesicht geschrieben, als die Boote Fahrt aufnehmen und uns an den Tauchspot bringen. Nach wenigen Minuten heißt es dann per Backroll ab ins Wasser – als das kühle Nass in den Tauchanzug eindringt, zucke ich ein wenig erschrocken zusammen – bin dafür aber sofort hellwach!

Von der offensichtlichen Schönheit des Riffes beeindruckt – das Riff selbst ist wie an vielen abgelegenen Tauchplätzen im Roten Meer noch recht
intakt – zieht die Tauchtruppe mit dem Riff zur rechten Schulterseite gemächlich ihre Bahnen.

Mit der aufgehenden Sonne scheinen die Riffbewohner den Tag willkommen zu heißen. Die Rifffische kommen allmählich aus ihren nächtlichen Schlaflagern. Es ist, als ob die Sonnenstrahlen dem Riff Leben einhauchte. Die quirligen Riffbewohner widmen sich ihrer alltäglichen Hauptbeschäftigung: Der Nahrungsaufnahme und den üblichen kleinen Revierrangeleien.

Am Morgen danach: „Nur die Harten bleiben im Korallengarten“

Vielleicht sind sie auch nur froh, die Nacht, in der die Räuber aktiv sind, unbeschadet überstanden zu haben. Wie auch immer, das mit Leder-, Hart-, und Weichkorallen bewachsene Riff sprüht förmlich vor Leben.

Flötenfische tummeln sich am Riff und bilden seltsame Formationen.

Fahnenbarsche, Füsiliere und jede Menge größerer Raubbarsche, zudem vereinzelt Barrakudas, die sich anscheinend nach dem nächtlichen Mahl die Zähne bei der Putzerstation reinigen lassen. Flötenfische überziehen das Riff mit ihren spindelförmigen, langgezogenen Körpern wie ein Netz auf Fischleibern. Einige davon sind extrem neugierig und kommen ganz nah.

Toll. Es ist ein schönes Bild, das das Meer den Tauchern am frühen Morgen liefert. Und ein wirklich faszinierendes Riff. Gesund. Bunt. Und voller Leben.

Ein neugieriger Flötenfisch posiert vor der Kamera.

Aber der Platz hier ist nicht nur für seine „Riffschönheiten“ bekannt und seine endemischen Fischarten. Auch pelagische sollen des Öfteren vorbeiziehen; Thunfische, Makrelen, manchmal auch Fuchshaie.

Doch wobei es allen Tauchern in den Fingern kribbelt ist der Weißspitzenhochseehai, den Carcharhinus longimanus. Ihn wollen heute alle gerne sehen, auch wenn das Image des Respekt einflößenden, bulligen Raubfisches aufgrund diverser Unfälle mit Wassersportlern Schaden genommen hat. Der Weißspitzenhochseehai steht im Ruf, ein aggressiver Hai zu sein, der immer wieder Menschen angreift.
In Anbetracht der Tatsache, dass die Zahl der Toten durch Haiunfälle weltweit ohnehin schon schwindend gering sind – ganz abgesehen von denen, die dem Longimanus zu zuschreiben sind, ist dieser Ruf schwer nachvollziehbar.

Und trotzdem kommt ein mulmiges Gefühl auf, das weit über die Grenzen der respektvollen Ehrfurcht hinausgeht, sobald der massive Raubfisch in Erscheinung tritt.

Kurzer Besuch, aber immerhin!

Immer wieder blicken die Guides vom Blickfang Riffwand hinüber ins Blauwasser, um vielleicht etwas zu entdecken. Wir tun es ihnen gleich, denn auch wir wollen was entdecken. Ein Hai wäre schon cool – der perfekte Start in den noch jungen Tag.

Ein erster Kontakt mit dem Longimanus.

Und tatsächlich: Nach einigen Minuten erkennt man einen großen Schemen, und je näher die Taucher kommen wird schnell klar, dass es sich um einen weiblichen Longimanus handelt – ein stattliches Tier, dessen Muskelpakete keine Zweifel in Bezug auf die Rangordnung hier unter Wasser aufkommen lassen.
Es scheint, als sei sich das große Tiere seiner Präsenz durchaus bewusst, denn auch dieser Hai zeigt weder Scheu noch Angst vor den Tauchern sondern eher eine tiefgehende Neugier, die ihn die Nähe zu den unbeholfen im Wasser umherpaddelnden Wesen suchen lässt.

Ein beeindruckendes, schwimmendes Muskelpaket

Zwar hält das Tier seinen Abstand zu den Tauchern – und gute Fotos sind aus der Distanz mit dem Weitwinkel nicht zu erzielen. Doch auch aus der Entfernung ist deutlich erkennbar, mit was für einem stattlichen Tier wir es zu tun haben. Als alle aus der Gruppe einen Blick auf den Hai erhaschen konnten, ist die Euphorie nicht mehr zu bremsen. Noch ist die Freude noch nicht verebbt, schon ist der Raubfisch wieder auf dem Rückzug in sein endloses Jagdrevier: Die Weiten des Ozeans.

Der Plan lautet, noch zwei mal hier an diesem tollen Riff zu tauchen – ein guter Plan!

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